Könnte die Reduzierung unnötiger Antibiotika in Europa jedes Jahr Milliarden einsparen?

Könnte die Reduzierung unnötiger Antibiotika in Europa jedes Jahr Milliarden einsparen?

In Europa verursacht die übermäßige Verschreibung von Antibiotika in der Allgemeinmedizin jährliche Kosten in Höhe von geschätzten 2,7 Milliarden Euro. Diese überflüssigen Verschreibungen begünstigen die Entstehung von Antibiotikaresistenzen, ein Phänomen, das Infektionen schwerer behandelbar macht und das Sterberisiko erhöht. Eine aktuelle Studie hat die wirtschaftlichen Auswirkungen von Programmen bewertet, die darauf abzielen, diese unnötigen Verschreibungen in fünf europäischen Ländern zu reduzieren. Die Ergebnisse zeigen, dass solche Initiativen erhebliche Einsparungen für die Gesundheitssysteme bewirken könnten.

Antibiotika werden oft verschrieben, obwohl sie nicht notwendig sind, insbesondere bei viralen Infektionen wie Erkältungen oder Bronchitis. Diese Praxis setzt Patienten vermeidbaren Nebenwirkungen aus und beschleunigt die Entwicklung resistenter Bakterien. Um dem entgegenzuwirken, wurde in Frankreich, Griechenland, Litauen, Polen und Spanien ein gezieltes Eingreifen getestet. Dieses umfasste Schulungen für Ärzte, angepasste Kommunikationsmittel und eine individuelle Nachverfolgung der Verschreibungen. Nach der Umsetzung ging die Anzahl überflüssiger Rezepte deutlich zurück.

Durch die Hochrechnung dieser Ergebnisse auf die gesamte Europäische Union schätzen die Forscher, dass zwei Szenarien möglich sind. Im ersten Szenario würde eine moderate Reduzierung unnötiger Verschreibungen jährliche Einsparungen von 151 Millionen Euro ermöglichen. Im zweiten, optimistischeren Szenario könnten die Einsparungen bis zu 423 Millionen Euro betragen. Diese Gewinne resultieren sowohl aus der Senkung der Medikamentenausgaben als auch aus der Verringerung der Krankenhausaufenthalte aufgrund von Nebenwirkungen und der Reduzierung der Kosten im Zusammenhang mit resistenten Infektionen.

Die Intervention selbst würde etwa 107 Millionen Euro kosten, um sie europaweit umzusetzen. Trotz dieser Investition würden die finanziellen Vorteile die Ausgaben bei Weitem übersteigen, selbst unter Berücksichtigung möglicher Unterschiede zwischen den Ländern. Die erzielten Einsparungen könnten somit die Haushalte der Gesundheitssysteme entlasten und gleichzeitig die Qualität der Versorgung verbessern.

Antibiotikaresistenzen stellen eine große Herausforderung für die öffentliche Gesundheit dar. Jedes Jahr sterben Millionen von Menschen an Infektionen, die nicht mehr behandelbar sind. Die Begrenzung des übermäßigen Antibiotikaeinsatzes ermöglicht es nicht nur, deren Wirksamkeit zu erhalten, sondern auch unnötige Ausgaben zu reduzieren. Schulungs- und Sensibilisierungsprogramme für Ärzte erweisen sich daher als sowohl wirksame als auch kostengünstige Lösungen.

Diese Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung, schnell und koordiniert zu handeln. Ein einheitlicher europäischer Ansatz könnte die Vorteile sowohl wirtschaftlich als auch gesundheitlich maximieren. Die Behörden verfügen nun über starke Argumente, um diese Initiativen zu fördern und zu einer Priorität zu machen.


Références du site

Référence scientifique

DOI : https://doi.org/10.1007/s10198-026-01899-3

Titre : Estimating cost savings from reducing antibiotic overprescription in european general practices

Revue : The European Journal of Health Economics

Éditeur : Springer Science and Business Media LLC

Auteurs : Fabiana Raynal Floriano; Laura Vallejo-Torres; Marina Elistratova; Beatriz González López-Valcárcel; Ana García-Sangenís; Jesper Lykkegaard; Malene Plejdrup Hansen; Lars Bjerrum; Athina Chalkidou; Jette Nygaard Jensen; Ingrid Rebnord; Bent Håkan Lindberg; Katja Taxis; Maarten Lambert; Ruta Radzeviciene; Lina Jaruseviciene; Pia Touboul-Lundgren; Pascale Bruno; Vanessa Lesage; Anna Kowalczyk; Maciej Godycki–Cwirko; Christos Lionis; Maria -Nefeli Karkana; Marilena Anastasaki; Matilde Bøgelund Hansen; Jonas Kanstrup Olsen; Jens Søndergaard; Daniela Modena; Stella Mally; Laura Álvarez; Carl Llor

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